Eine Muschel mit hohen Ansprüchen

Die Flussperlmuschel Margaritifera margaritifera (LINNAEUS 1758) ist weltweit vom Aussterben bedroht. Neben Beständen in Bayern und Tschechien finden sich im Mühl- und Waldviertel die bedeutendsten Restvorkommen Mitteleuropas. Diese Länder haben damit eine besondere Verantwortung innerhalb der EU, den Fortbestand dieser Art zu gewährleisten.

(Bild 1: Erwachsene Flussperlmuscheln)

Lebenszyklus

Die Flussperlmuschel hat sich im Laufe der Evolution eine komplizierte Fortpflanzungsstrategie zurechtgelegt. Die Weibchen tragen in ihren Kiemen bis zu 10 Millionen Eier, aus denen sich nach der Befruchtung mikroskopisch kleine Muschellarven, sogenannte Glochidien, entwickeln. Im Spätsommer werden die Larven der gesamten Population kollektiv ins umgebende Wasser ausgestoßen. Dort werden sie von jungen Bachforellen, teilweise gezielt und teilweise unbewusst mit dem Atemwasser aufgenommen. Die Muschellarven heften sich schließlich im Kiemengewebe des Wirtsfisches fest. Vom Kiemengewebe eingewachsen überdauern sie als Parasiten den Winter an den Bachforellen, ehe sie im folgenden Sommer eine Metamorphose zur Jungmuschel durchführen, vom Wirtsfisch abgestoßen werden und auf den Gewässerboden sinken. Sofort graben sich die winzigen Jungmuscheln tief in den Kiesgrund ein und leben zumindest fünf Jahre im Schutz des Lückenraumsystems, bevor sie schließlich an die Oberfläche kommen und sich zu den erwachsenen Artgenossen in der Muschelbank gesellen. Die nun fertig entwickelten jungen Muscheln verbringen den Rest ihres etwa 120 Jahre dauernden Lebens mit dem Filtern von Nahrungspartikeln und nehmen ab einem Alter von etwa 15 bis 20 Jahren am beschriebenen Reproduktionsgeschehen teil.

(Bild 2: wenige Monate alte Jungmuscheln aus eigener Nachzucht)

(Bild 3: Muschellarven auf Bachforellenkiemen)

Ausbreitungsgebiet & Population

Da die Flussperlmuschel ausschließlich kalkarme, kühle und sauerstoffreiche Gewässer bewohnt, kommt sie in Europa nur nördlich des Alpen-Karpaten-Bogens vor. Die Schwerpunkte der heutigen Verbreitung in Europa liegen in Skandinavien und Nordrußland, die größten Bestände Mitteleuropas befinden sich in Bayern (im Bayerischen Wald und im Fichtelgebirge).

Waren die Flüsse und Bäche der böhmischen Masse Anfang des 19. Jahrhunderts noch reichlich mit Flussperlmuscheln besetzt, so sind ihre Bestände bis heute dramatisch zurückgegangen. Laut aktuellen Schätzungen leben in der Maltsch noch wenige hundert Exemplare, wobei die Population stark überaltert ist, das heißt Jungtiere fehlen nahezu gänzlich.